Warum gute Märkte kein Zufall sind – und welche Prinzipien sie wirklich stark machen

Claudia Scholz • 19. Januar 2026

Wie gute Märkte entstehen – und warum Kuratieren kein Luxus ist

Märkte sind lebendige Orte.

Manchmal bleibst du stehen, weil dich etwas ansieht — nicht umgekehrt.

Oder sie können dich in fünf Minuten erschöpfen, weil dir die Luft ausgeht.

Und manchmal läufst du weiter, weil alles irgendwie … egal wirkt.


Nach 17 Jahren Veranstaltungsarbeit kennen wir beide Seiten:

die Stände, an denen Menschen aufgehen,

und die, an denen du spürst, dass hier gerade niemand wirklich anwesend ist.


Bevor wir darüber sprechen, wie wir kuratieren, lass uns kurz dorthin schauen,

wo es schiefgeht.

Nicht, um jemanden bloßzustellen.

Sondern weil Humor manchmal der ehrlichste Weg ist, die Dinge beim Namen zu nennen.

Die größten Markt‑Unfälle (eine kleine Auswahl)

1. Der „Ich hab nur schnell eine Tischdecke aus dem Keller geholt“-Stand


Die Tischdecke endet 20 cm über dem Boden.

Dahinter: Kisten, Tüten, Thermoskannen.

Der Wind hebt alles an wie ein Segel.

Die Kunst? Irgendwo dazwischen.


2. Der „Ich liebe meine Kunst, aber Präsentation ist optional“-Stand


Wunderschöne Arbeiten.

Dazwischen Preisschilder in Comic Sans.

Ein Karton mit „Bitte nicht anfassen“.

Man möchte lachen. Oder weinen.


3. Der „Ich baue meinen Stand wie Tetris“-Stand


Alles ist da.

Alles ist gut.

Aber alles steht übereinander.

Besucher:innen wissen nicht, wohin sie schauen sollen –

also schauen sie gar nicht.


4. Der „Ich wollte eigentlich nur kurz aufbauen“-Stand


Der Stand ist fertig.

Aber der Mensch dahinter sitzt wie ein Maulwurf, der sich vor Licht schützt.

Kein Blickkontakt.

Kein Lächeln.

Kein Verkauf.

Warum wir kuratieren

Manchmal bleiben Menschen bei uns stehen und erzählen, was sie suchen.

Nicht als Umfrage, sondern im Vorbeigehen.

Zwischen einem Glas Wein und einem „Oh, das ist schön“.


Sätze wie:


„Ich will überrascht werden.“

„Ich möchte wissen, wer hier eigentlich steht.“

„Bitte nichts, was ich schon tausendmal gesehen habe.“


Diese Sätze bleiben hängen.

Weil sie zeigen, was ein Markt sein kann —

und was er eben nicht sein darf.


Und genau deshalb kuratieren wir.

Nicht, weil wir streng sein wollen.

Sondern damit ein Markt sich rund anfühlt.

Damit du ankommst und merkst:

Hier passt etwas zusammen.

Die Menschen. Die Arbeiten. Der Ort.


Ein Markt entsteht nicht nebenbei.

Er entsteht, wenn viele kleine Entscheidungen

in dieselbe Richtung zeigen.


Darum haben wir Prinzipien, die uns leiten —

nicht als Regeln, sondern als Kompass.

Die fünf Prinzipien guter Märkte

1. Märkte müssen zum Bezirk passen


Jeder Bezirk hat seine eigene Art, wie Menschen sich begegnen:

In manchen Gegenden bleiben sie sofort stehen.

An anderen Orten schauen sie erst einmal aus der Ferne.

Und manchmal entsteht ein Gespräch, bevor man überhaupt merkt, dass man eins führt.


Wir schauen:

Welche Arbeiten fühlen sich hier richtig an?

Welche Farben, Formen, Materialien passen zu diesem Platz?

Welche Mischung macht Lust auf mehr?


Ein Markt funktioniert dann, wenn er sich anfühlt,

als würde er mit dem Bezirk sprechen — nicht gegen ihn.

2. Präsentation ist eine Kunstform


Ein Stand ist mehr als ein Tisch mit Dingen darauf. Er ist eine Bühne.

Er ist der Moment, in dem jemand sagt: „Das bin ich. Das mache ich.“


Man sieht sofort, ob jemand seine Arbeit ernst nimmt.

Ob er möchte, dass du stehenbleibst.

Ob die Arbeit Raum bekommt — oder untergeht.


Ein guter Stand lädt dich ein.

Er lässt dich schauen, ohne dich zu überreden.

Handgemachte Lampen aus Berlin-Kreuzberg: Ein Aussteller steht hinter einem Marktstand mit handgefertigten Lampen aus Altholz; die Lampen zeigen leuchtende Schriftzüge wie „THINK“ und „HERMANNPLATZ“.

3. Kuratieren statt „wer zuerst kommt“


Ein Markt entsteht nicht dadurch, dass man einfach alle Tische nebeneinander stellt.

Und auch nicht dadurch, dass man sagt: „Wer sich zuerst anmeldet, ist dabei.“


Wir stellen Arbeiten so zusammen, dass sie sich gegenseitig gut tun.

Dass nichts untergeht

und dass Besucher:innen Lust bekommen, mehr zu sehen.


Es geht nicht darum, jemanden auszuschließen.

Es geht darum, dass jede Arbeit Raum bekommt —

und Besucher:innen nicht das Gefühl haben,

zehnmal dieselbe Idee zu sehen.


Kuratieren heißt für uns:

Wir sorgen dafür, dass der Markt atmet

und nicht zu einem Durcheinander wird,

bei dem am Ende niemand mehr weiß, wohin er schauen soll.

Drehteller aus Holz – jedes Stück ein Unikat: Handgefertigte Holzobjekte auf einem Marktstand, darunter farbige Kreisel, Schalen und gedrechselte Gefäße aus verschiedenen Holzarten.

4. Unser Anspruch: Niveau, Schönheit, Begegnung


Wir wollen Orte schaffen, an denen Menschen gern bleiben.

Nicht, weil es laut ist oder viel passiert —

sondern weil sich etwas gut anfühlt.


Ein Markt kann voll sein und trotzdem leicht.

Er kann lebendig sein und trotzdem Raum lassen.

Er kann dich mitten im Trubel kurz ankommen lassen.


Es sind diese kleinen Momente:

ein Fundstück, das du nicht gesucht hast

ein Gespräch, das sich von selbst ergibt

ein Blick, der hängen bleibt

ein Glas Wein, das plötzlich besser schmeckt, weil du gerade am richtigen Ort bist.


Das ist die Atmosphäre, die wir meinen.

Nicht perfekt.

Aber stimmig.

5. Wir arbeiten mit Menschen, nicht nur mit Ständen


Ein Markt lebt nicht von Tischen und Aufbauten.

Er lebt von den Menschen, die dahinterstehen.


Von denen, die für ihre Arbeit einstehen können

und sich zeigen.

Die Lust auf Begegnung haben.


Dann geschieht Verkaufen wie von selbst.


Wir suchen Menschen, die sagen können:

„Das habe ich gemacht.“


Es geht nicht um makellose Präsentation oder Hochglanz.

Menschen dürfen Ecken haben.


Es geht nicht um große Marken, große Produktionen, große Budgets.

Auch kleine Arbeiten haben Platz.


Es geht nicht um Marktschreierei, aggressive Verkaufstaktiken oder „Guck mal hier!“.

Es geht darum, da zu sein - ohne laut zu werden.


Denn ein Markt ist kein Möbelhaus.

Er ist ein Ort, an dem Menschen sich begegnen,

ins Gespräch kommen,

und manchmal mit etwas nach Hause gehen,

das mehr ist als ein Einkauf.

Und jetzt zu dir

Wenn du Kunst machst, Wein oder Genuss herstellst —

und beim Lesen dachtest:

„Okay, meinen Stand kriege ich besser hin als das Beispiel mit dem Chaos“

oder

„Ich hätte Lust, Teil davon zu sein“ —

dann erzähle uns davon.


Wir schauen gemeinsam,

ob deine Arbeit zu diesem Ort passt

und wie wir ihr Raum geben können,

damit Menschen stehenbleiben

und dich sehen.

Ein kleines Tischarrangement mit rosa und roten Blumen in einer weißen Vase, einem Glas Roséwein in einer Hand und einem Aschenbecher im Vordergrund.
WhatsApp-Icon E-Mail-Icon Facebook-Icon X-Icon LinkedIn-Icon
Kunststand mit Karten, Collagen und Aquarellen – liebevoll arrangiert mit Blumen und Staffeleien
von Claudia Scholz 19. Januar 2026
Was macht einen guten Kunststand aus? Dieser Artikel zeigt, wie Klarheit, Präsentation und persönliche Handschrift zusammenwirken – mit Beispielen, Werkzeugen und einem Prozess, der von innen nach außen führt
Plakat zu „Weihnachten in Westend“ mit Jochen, dem Weihnachtselefanten, auf einem Dreirad
30. Oktober 2025
Weihnachtsmarkt „Weihnachten in Westend“ vom 20. bis 21. Dezember 2025 in der Preußenallee: Kunst, Jazz-Nikoläuse, Greifvogelschau & mehr
Weinrotes Plakat für WEINachten am Ludwig-Beck-Platz vom 13. - 14. Dezember in Lichterfelde-West
26. Oktober 2025
Kunsthandwerk, Winzer*innen und weihnachtliche Stimmung: Entdecke den Adventsmarkt „WEINachten am Ludwig-Beck-Platz“ am 13. & 14. Dezember mit handgemachten Geschenken, feinen Weinen und Musik
Plakat zum Adventsmarkt am 7. Dezember 2025 mit zwei Kerzen, die mit Streichholz angezündet werden.
17. Oktober 2025
Kunst, Kulinarik & Kiezkultur: Der Adventsmarkt am 7.12.2025 in der Leonhardtstraße lädt zum Flanieren, Entdecken & Genießen in Berlin-Charlottenburg ein.
Plakat zum Adventsmarkt am 30.11.2025 mit Kerzenmotiv und festlichem Design
von Stefan Piltz 16. Oktober 2025
Kunsthandwerk, Winterlicht & Begegnung: Der Adventsmarkt am Karl-August-Platz lädt am 30.11.2025 zum Entdecken in besonderer Atmosphäre ein.
Festliche Gewänder, Kronen und Marktstände: Mittelalterflair beim Weinfest am Dorfteich Lichtenrade
22. September 2025
Wein, Musik & Begegnung: Lichtenrade feierte 650 Jahre mit Winzern, Tanz rund um den Dorfteich und Gesprächen im Glas – ein Fest für alle Sinne.
Plakat zum Erntedankmarkt 2025 in Berlin: Gezeichneter Baum mit Symbolen für Kunst und Handwerk
von Stefan Piltz 16. August 2025
Herbstliche Marktstimmung mit roten Kürbissen und frischen Gewürzen – regionale Produkte und Handwerk zum Erntedankfest entdecken
Plakat zum 38. Wein- und Winzerfest Lichtenrade mit „650 Jahre Lichtenrade“, 12.–14. September 2025
4. Juli 2025
Wein aus allen Regionen, Tanz auf dem Anger, Gespräche am Glas: Im September feiert Lichtenrade doppelt – das 38. Winzerfest und 650 Jahre Geschichte.
Plakat zum Weinbrunnen am Ludwig-Beck-Platz vom 5.–7. September 2025 mit Winzern & Bezirks-Förderung
von Stefan Piltz 21. Juni 2025
3. Weinbrunnen am Ludwig-Beck-Platz Besonderes Stadtteilfest mit Kultstatus rund um den Brunnen in Lichterfelde
Historisch gekleidet: Die Höfische Gesellschaft als Preußische Leibgarde bei WeinPfingsten Westend
von Claudia Scholz 15. Juni 2025
Schon Wochen vorher beim Flyerverteilen oder Aufhängen der Plakate gab es die interessierte Frage: Das Weinfest ist wieder? Das war schon im letzten Jahr so schön! Freudig nahm man uns die Flyer ab und informierte auch die Nachbarn! Unsere Gedanken? Wir schenken so viel Freude! Was kann es Besseres geben? Die Menschen möchten sich treffen und in Gemeinschaft fröhlich die neuesten Themen bewegen.