Warum gute Märkte kein Zufall sind – und welche Prinzipien sie wirklich stark machen
Wie gute Märkte entstehen – und warum Kuratieren kein Luxus ist
Märkte sind lebendige Orte.
Manchmal bleibst du stehen, weil dich etwas ansieht — nicht umgekehrt.
Oder sie können dich in fünf Minuten erschöpfen, weil dir die Luft ausgeht.
Und manchmal läufst du weiter, weil alles irgendwie … egal wirkt.
Nach 17 Jahren Veranstaltungsarbeit kennen wir beide Seiten:
die Stände, an denen Menschen aufgehen,
und die, an denen du spürst, dass hier gerade niemand wirklich anwesend ist.
Bevor wir darüber sprechen, wie wir kuratieren, lass uns kurz dorthin schauen,
wo es schiefgeht.
Nicht, um jemanden bloßzustellen.
Sondern weil Humor manchmal der ehrlichste Weg ist, die Dinge beim Namen zu nennen.
Die größten Markt‑Unfälle (eine kleine Auswahl)
1. Der „Ich hab nur schnell eine Tischdecke aus dem Keller geholt“-Stand
Die Tischdecke endet 20 cm über dem Boden.
Dahinter: Kisten, Tüten, Thermoskannen.
Der Wind hebt alles an wie ein Segel.
Die Kunst? Irgendwo dazwischen.
2. Der „Ich liebe meine Kunst, aber Präsentation ist optional“-Stand
Wunderschöne Arbeiten.
Dazwischen Preisschilder in Comic Sans.
Ein Karton mit „Bitte nicht anfassen“.
Man möchte lachen. Oder weinen.
3. Der „Ich baue meinen Stand wie Tetris“-Stand
Alles ist da.
Alles ist gut.
Aber alles steht übereinander.
Besucher:innen wissen nicht, wohin sie schauen sollen –
also schauen sie gar nicht.
4. Der „Ich wollte eigentlich nur kurz aufbauen“-Stand
Der Stand ist fertig.
Aber der Mensch dahinter sitzt wie ein Maulwurf, der sich vor Licht schützt.
Kein Blickkontakt.
Kein Lächeln.
Kein Verkauf.
Warum wir kuratieren
Manchmal bleiben Menschen bei uns stehen und erzählen, was sie suchen.
Nicht als Umfrage, sondern im Vorbeigehen.
Zwischen einem Glas Wein und einem „Oh, das ist schön“.
Sätze wie:
„Ich will überrascht werden.“
„Ich möchte wissen, wer hier eigentlich steht.“
„Bitte nichts, was ich schon tausendmal gesehen habe.“
Diese Sätze bleiben hängen.
Weil sie zeigen, was ein Markt sein kann —
und was er eben nicht sein darf.
Und genau deshalb kuratieren wir.
Nicht, weil wir streng sein wollen.
Sondern damit ein Markt sich rund anfühlt.
Damit du ankommst und merkst:
Hier passt etwas zusammen.
Die Menschen. Die Arbeiten. Der Ort.
Ein Markt entsteht nicht nebenbei.
Er entsteht, wenn viele kleine Entscheidungen
in dieselbe Richtung zeigen.
Darum haben wir Prinzipien, die uns leiten —
nicht als Regeln, sondern als Kompass.
Die fünf Prinzipien guter Märkte
1. Märkte müssen zum Bezirk passen
Jeder Bezirk hat seine eigene Art, wie Menschen sich begegnen:
In manchen Gegenden bleiben sie sofort stehen.
An anderen Orten schauen sie erst einmal aus der Ferne.
Und manchmal entsteht ein Gespräch, bevor man überhaupt merkt, dass man eins führt.
Wir schauen:
Welche Arbeiten fühlen sich hier richtig an?
Welche Farben, Formen, Materialien passen zu diesem Platz?
Welche Mischung macht Lust auf mehr?
Ein Markt funktioniert dann, wenn er sich anfühlt,
als würde er mit dem Bezirk sprechen — nicht gegen ihn.
2. Präsentation ist eine Kunstform
Ein Stand ist mehr als ein Tisch mit Dingen darauf. Er ist eine Bühne.
Er ist der Moment, in dem jemand sagt: „Das bin ich. Das mache ich.“
Man sieht sofort, ob jemand seine Arbeit ernst nimmt.
Ob er möchte, dass du stehenbleibst.
Ob die Arbeit Raum bekommt — oder untergeht.
Ein guter Stand lädt dich ein.
Er lässt dich schauen, ohne dich zu überreden.
3. Kuratieren statt „wer zuerst kommt“
Ein Markt entsteht nicht dadurch, dass man einfach alle Tische nebeneinander stellt.
Und auch nicht dadurch, dass man sagt: „Wer sich zuerst anmeldet, ist dabei.“
Wir stellen Arbeiten so zusammen, dass sie sich gegenseitig gut tun.
Dass nichts untergeht
und dass Besucher:innen Lust bekommen, mehr zu sehen.
Es geht nicht darum, jemanden auszuschließen.
Es geht darum, dass jede Arbeit Raum bekommt —
und Besucher:innen nicht das Gefühl haben,
zehnmal dieselbe Idee zu sehen.
Kuratieren heißt für uns:
Wir sorgen dafür, dass der Markt atmet
und nicht zu einem Durcheinander wird,
bei dem am Ende niemand mehr weiß, wohin er schauen soll.
4. Unser Anspruch: Niveau, Schönheit, Begegnung
Wir wollen Orte schaffen, an denen Menschen gern bleiben.
Nicht, weil es laut ist oder viel passiert —
sondern weil sich etwas gut anfühlt.
Ein Markt kann voll sein und trotzdem leicht.
Er kann lebendig sein und trotzdem Raum lassen.
Er kann dich mitten im Trubel kurz ankommen lassen.
Es sind diese kleinen Momente:
ein Fundstück, das du nicht gesucht hast
ein Gespräch, das sich von selbst ergibt
ein Blick, der hängen bleibt
ein Glas Wein, das plötzlich besser schmeckt, weil du gerade am richtigen Ort bist.
Das ist die Atmosphäre, die wir meinen.
Nicht perfekt.
Aber stimmig.
5. Wir arbeiten mit Menschen, nicht nur mit Ständen
Ein Markt lebt nicht von Tischen und Aufbauten.
Er lebt von den Menschen, die dahinterstehen.
Von denen, die für ihre Arbeit einstehen können
und sich zeigen.
Die Lust auf Begegnung haben.
Dann geschieht Verkaufen wie von selbst.
Wir suchen Menschen, die sagen können:
„Das habe ich gemacht.“
Es geht nicht um makellose Präsentation oder Hochglanz.
Menschen dürfen Ecken haben.
Es geht nicht um große Marken, große Produktionen, große Budgets.
Auch kleine Arbeiten haben Platz.
Es geht nicht um Marktschreierei, aggressive Verkaufstaktiken oder „Guck mal hier!“.
Es geht darum, da zu sein - ohne laut zu werden.
Denn ein Markt ist kein Möbelhaus.
Er ist ein Ort, an dem Menschen sich begegnen,
ins Gespräch kommen,
und manchmal mit etwas nach Hause gehen,
das mehr ist als ein Einkauf.
Und jetzt zu dir
Wenn du Kunst machst, Wein oder Genuss herstellst —
und beim Lesen dachtest:
„Okay, meinen Stand kriege ich besser hin als das Beispiel mit dem Chaos“
oder
„Ich hätte Lust, Teil davon zu sein“ —
dann erzähle uns davon.
Wir schauen gemeinsam,
ob deine Arbeit zu diesem Ort passt
und wie wir ihr Raum geben können,
damit Menschen stehenbleiben
und dich sehen.





